Berichte 2019

Infektionsüberwachung

Schätzungsweise gegen 100’000 hospitalisierte Patientinnen und Patienten in der Schweiz erleiden jährlich während eines Spitalaufenthalts eine infektiöse Komplikation. Vor allem operative Eingriffe, die Einlage von Gefäss- oder Urinkathetern und künstliche Beatmung sind mit einem Infektionsrisiko verbunden. Diese im Spital erworbenen Infektionen (nosokomiale Infektionen) können zu verlängerten Spitalaufenthalten führen mit zusätzlichen Interventionen und hohen Kosten für das Spital und die Betroffenen. Verschiedene Studien zeigen, dass sich bis zu 70 Prozent der nosokomialen Infektionen verhindern lassen.

Vor mehr als fünf Jahren wurde am USZ das ehrgeizige Ziel formuliert, bis 2018 die Rate der nosokomialen Infektionen auf 5 Prozent zu senken. Damit startete die 5%-Offensive gegen die fünf häufigsten spitalerworbenen Infektionsarten. Das Team der Infektionsprävention und Spitalhygiene am USZ hat zur Steuerung der 5%-Offensive ein Metriksystem erarbeitet, das die Infektionsrate und den Umsetzungsgrad von je zwei bis drei wichtigen Präventionsmassnahmen permanent misst. Diese Resultate dienen der Steuerung und Erfolgsmessung der 5%-Offensive. Delegierte in den Kliniken wurden in einer Initialphase von 2018 bis 2019 angeleitet, die Präventionsmassnahmen in ihren Bereichen umzusetzen. In einer Nachhaltigkeitsphase wird sich zeigen, wie stark sich diese Intervention in den Kliniken verwurzeln konnte.

Im Pandemiejahr war die Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene im Krisenmanagement stark eingebunden. Wie im Interview von der Klinikdirektorin erwähnt, wurden schnell zahlreiche konkrete Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden, zum Testen und zur Betreuung von Covid-Patientinnen und -Patienten ergriffen. Das ganze Team war tagtäglich im Einsatz zur Bewältigung der Pandemie. Aus diesem Grund konnten verschiedene Messungen zum Umsetzungsgrad der Präventionsmassnahmen aus Kapazitätsgründen nicht oder nur teilweise durchgeführt werden. 

Für 2020 liegen Resultate zur Infektionsüberwachung der postoperativen Wundinfekte vor. Die Daten der drei Messungen Appendektomien, Kolonchirurgie und Herzchirurgie sind mit dem Gesamtkollektiv vergleichbar (siehe Tabelle 1).

Als eine der zentralen Präventionsmassnahmen wird kontinuierlich seit Jahren der Händealkoholverbrauch erhoben. Wie zu erwarten, nahm im Pandemiejahr der Verbrauch an Händealkohol in allen drei Bereichen, Intensivstationen, Intermediate Care und Bettenstationen, deutlich zu (siehe Tabelle 2).

Postoperative Wundinfekte in Prozent (ausschliesslich der oberflächlichen)

Quelle: Spitalhygiene, Prof. Dr. Hugo Sax, Leiter, Dr. Miriam Vazquez

Eingriff 2020 2019 2018 2017 «übrige Schweiz» 2020 Unterschied zu 2020 signifikant
Appendektomie 3 1.2 2.0 3.3 1.8 nein
Kolonchirurgie 13.1 9.3 6.0 13.4 8.7 nein
Herzchirurgie Die herzchirurgischen Daten von 2020 sind noch nicht verfügbar. 1.4 1.9 3.00 1.8 "übrige Schweiz" 2019 -

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Händealkoholverbrauch

Quelle: Spitalhygiene, Prof. Dr. Hugo Sax, Leiter, Dr. Aline Wolfensberger, Beatrice Domenech-Jakob

Durchschnittlicher Verbrauch pro Tag und Patient in ml Intensivstationen und Neonatologie Intermediate Care Stationen (IMC) Bettenstationen
2020 354 197 95
2019 284 169 68
2018 300 168 67
2017 274 174 63
2016 258 178 61
2015 245 152 56

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Grippeimpfung für Mitarbeitende

Aufgrund der COVID-Pandemie wurden am USZ Isolationsmassnahmen, persönliche Schutzmassnahmen und erweiterte Hygienemassnahmen flächendeckend eingeführt. Diese schützen auch vor der Übertragung von anderen respiratorischen Viren. Zum Schutz der Patient*innen vor der Übertragung von Grippeviren wurden auch während der Covid-Pandemie Grippeimpfaktionen für Mitarbeitende durchgeführt.

Der Anteil an Mitarbeitenden, die sich in der Saison 2020/2021 impfen liessen, ist gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Die Impfquote bei der Grippeimpfung lag bei 32 Prozent für alle Mitarbeitenden und bei 37.3 Prozent für Mitarbeitende mit Patientenkontakt. Erstmals lag damit die Impfquote bei Pflegefachpersonen und Personen aus medizinisch-technischen Berufen bei über 30 Prozent.

Zur Steigerung der Impfquote, insbesondere bei Pflegefachpersonen und Personen aus medizinisch-technischen Berufen, wurde 2018 die Initiative «Grippeimpfung unter Abteilungslead» ins Leben gerufen. Die Initiative hat zum Ziel, dem Pflegedienst die Verantwortung für die Durchführung von Grippeimpfaktionen in ihren Teams direkt in den Abteilungen zu übergeben. Dies, nachdem ein inhaltlicher Austausch zur Grippeimpfung mit Expertinnen und Experten der Spitalhygiene und des Personalärztlichen Diensts stattgefunden hat. Damit sollte die Grippeimpfung niederschwellig zugängig gemacht werden. Die Initiative wurde im Jahr 2020 auf acht Medizinbereiche ausgeweitet. 

Die Initiative hat zu einer deutlich verbesserten Impfquote in den beteiligten Medizinbereichen geführt. Allerdings konnte auch in nicht teilnehmenden Medizinbereichen eine Steigerung der Impfquote beobachtet werden. Inwiefern der Anstieg der Impfquote im Jahr 2020 mit der Initiative oder aber der Covid-19-Pandemie zusammenhängt, bleibt ungewiss. 

Aufgrund der hohen Beteiligung von Mitarbeitenden an den Grippeimpfaktionen in den Abteilungen wird die Initiative in der kommenden Saison auf möglichst alle Bereiche im USZ ausgeweitet.

Grippe-Impfstatistik 2020 im Vergleich

Quelle: PD Dr. med. Silvana Rampini, Leitende Ärztin, Personalärztlicher Dienst, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin

Anzahl Mitarbeitende mit direktem Patienten-kontakt Ärzt*innen Pflege MTTB ohne direkten Patienten- kontakt alle
2020 6’230 1’651 3’581 998 2’882 9’112
davon Geimpft (n) 2’321 973 1’026 322 599 2’920
Geimpft (%) 37.3% 58.9% 28.7% 32.3% 20.8% 32.0%
2019 5’682 1’596 3’130 956 2’708 8’390
davon Geimpft (n) 1’564 731 621 212 402 1’966
Geimpft (%) 27.5% 45.8% 19.8% 22.2% 14.8% 23.4%
2018 5’548 1’602 3’095 851 2’674 8’222
davon Geimpft (n) 1’370 656 497 217 345 1’715
Geimpft (%) 24.7% 41% 16.1% 25.5% 12.9% 20.9%

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